IRMA STREICH-EGG

Textilkünstlerin / Zürich
Porträt

Irma Streich-Egg, 1935 in Brugg geboren und aufgewachsen in Uster, hatte als Kindergärtnerin in Ebnat-Kappel diplomiert und war anschliessend mehrere Jahre in Fischenthal (ZH) und Uster (ZH) als Kindergärtnerin tätig. In Uster betrieben ihre Eltern eine Bäckerei-Konditorei, wo Irma immer wieder mithalf. Seit 1964 wohnte Irma mit ihrer Familie, Werner, Franziska, Adrian, auf dem Zollikerberg (ZH) und hatte dort ihr eigenes Atelier. Im Mai 2007 sind Irma und Werner Streich nach Zürich in die Siedlung Werdwies im Grünauquartier umgezogen, wo Irma Streich in der Wohnung ihren Ateliertisch aufstellte und weiterhin
Tapisserien (Bildteppiche) gestaltete. Die Siedlung Werdwies (150 Wohnungen) hatte unser Sohn Adrian aufgrund eines Architekturwettbewerbs im Auftrage der Stadt Zürich projektiert.
Irma Streich hat sich autodidaktisch in der Applikationstechnik ausgebildet und gestaltet seit rund 40 Jahren mit kostbaren Stoffen, Schere, Garn und Nadel Tapisserien (Bildteppiche) mit Blumenkompositionen und Stillleben. Die Stoffe sind vorwiegend Seidenstoffe schweizerischer Herkunft wie: Abraham, Gessner, Jakob Schlaepfer. Die Tapisserien entwirft Irma Streich ohne zeichnerische Vorlage; sie setzt ihre Gedanken, Träume und Einfälle direkt mit Stoffen in Bilder um. Aus dieser spontanen und prozesshaften Arbeitsweise entstehen ihre kraftvollen und farbenprächtigen Werke, welche Irma Streich bis heute in 27 Einzel- und jurierten Gruppenausstellungen zeigen konnte. Dabei wurden Besucherinnen und Besucher
von diesen Werken immer wieder begeistert und als Folge davon sind viele Tapisserien von Irma Streich
in privaten und öffentlichen Besitz gelangt.
Für das Gestalten und Herstellen der Tapisserien sind vor allem Innovation, Kreativität und Leidenschaft notwendig; aber ohne die Ausdauer für das zeitlich aufwendige Ausschneiden, Auslegen, Nähen und Aufnähen der Formen würden keine Bildteppiche entstehen. Das Herstellen von Tapisserien erfordert zudem handwerkliches Geschick. Insbesondere dürfen sich die Nähte nicht verselbständigen, sie müssen sich subtil dem ganzen Werk unterordnen. Die Kunst beim Herstellen einer Tapisserie besteht vor allem darin, die einzelnen Teile (Blumenmotive, Motive von Stillleben, einfarbige und bunte Stoffstücke) so zu einem Bild zusammen zu fügen, welches als Gesamtkomposition durch seine Form und Farbe fasziniert.
Die einzelnen Teile (Formen) kommen erst in der Gesamtkomposition zur Wirkung und umgekehrt, sie bedingen sich also gegenseitig. Die genannten Fähigkeiten von Irma Streich sowie die Eigenständigkeit ihres künstlerischen Schaffens wurde von Kunstkritikerinnen und Kunstkritikern immer wieder anerkannt. Insbesondere hatte Fritz Billeter, langjähriger Kunstkritiker beim Tages-Anzeiger und Autor von Kunstbüchern, die Tapisserien von Irma Streich in verschiedenen Artikeln immer wieder gewürdigt. So schreibt Fritz Billeter u.a.:
„Irma Streichs Gestalten vollzieht sich ähnlich wie das Schreiben eines Textes: wir wissen nie ganz genau, was wir als nächsten Satz schreiben; wir wissen es erst, nachdem wir ihn geschrieben haben. Diese - soll ich sagen - stürmische Art des Gestaltens hat Irma Streich mit einer wichtigen Strömung innerhalb der modernen Kunst gemeinsam, die in den fünfziger Jahren in Frankreich und USA anhob, dann die ganze westliche Welt ergriff und bis heute andauert: das Action Painting, auch Tachismus genannt. Der Einwand, aber Irma Streich stelle Blumen und Stillleben dar, während Tachismus und Action Painting zu den nichtfigurativen Strömungen des 20. Jahrhunderts gehören, fällt kaum ins Gewicht. Wichtig scheint mir beide male die gemeinsame geistige Haltung: das künstlerische Hervorbringen als Aufbruch ins noch Ungewisse, das Fahrenlassen der Sicherung, die ein vorbedachtes Konzept anbietet“.
Irma ist am 19. April 2018 nach längerer Demenzkrankheit gestorben. Irma lebt in ihren Werken weiter.

 

Claude Monet sagte: „Ich verdanke es den Blumen, dass ich Maler geworden bin“, das gilt auch für Irma mit ihren Blumenteppichen.
 

Zürich, update Mai 2022, Werner Streich